Oberste Priorität sollte eine ausgiebige Auseinandersetzung mit der Wetterlage in der Region der geplanten Bergtour genießen. Dieser Satz gilt für alle hier aufgeführten Punkte, jedoch ganz besonders für Bergtouren in alpinem und hochalpinem Gelände.
Jeder, der eine Bergtour unternehmen will, ist für sein Handeln selbst verantwortlich. Wettervorhersagen dienen dazu, vor möglichen Wetterereignissen zu warnen, mehr nicht. Ob ein Bergsteiger dann zu seiner Tour aufbricht, oder sein Vorhaben abbricht, ist ihm selbst überlassen. Sehr anschaulich beschrieben hat diese Situation Herr Welzenbach F., Meteorologe und Betreiber der Webseite wetteran.de. Herzlichen Dank an dieser Stelle nochmals an ihn.
„Ein Bergsteiger möchte auf den Großvenediger gehen, die Wetterlage schaut jedoch gewittrig aus. Der Vorhersager sagt, dass vormittags noch überwiegend sonniges Wetter zu erwarten ist, aber am Nachmittag das Gewitterrisiko mit einer herannahenden Kaltfront zunimmt. Der Vorhersager soll nicht sagen: Blas dein Vorhaben ab, es ist zu gefährlich, wennst oben am Grat stehst und wirst runtergeweht. Der Bergsteiger (vor allem einer, der Hochtouren unternimmt und alpinistisch schon ein wenig erfahren sein sollte) muss selbst entscheiden, ob er bis zum Nachmittag wieder von den gefährlichen, exponierten Stellen weg ist, oder ob es sich zeitlich ausgeht, wenn er früh startet. Der Vorhersager kann allenfalls, sofern er das Gebiet kennt, darauf hinweisen, dass im hüttenlosen Gelände bei längeren Hatschern wenig Möglichkeit existiert, sich einen sicheren Unterschlupf zu suchen. Wenn der Bergsteiger denkt, ok, das ist machbar, und gerät dann ins Gewitter, verletzt sich oder stirbt, dann ist es sein Bier, er kannte die Vorhersage, und hat seine Fähigkeiten falsch eingeschätzt, aber dem Vorhersager ist es dann nicht anzulasten.“
Wesentlicher Unterschied der Gewitter im Gebirge zu jenen im Flachland ist die Schnelligkeit, mit der sie über die Betroffenen hereinbrechen. Durch die große Höhenlage am Berg befindet man sich direkt in der Gewitterwolke. Da Wolken nichts anderes als Wassertröpfchen verschiedener Größen und Temperaturen sind, stellen sie am Berg dichte Nebelschwaden dar, welche schnell über die Berghänge ziehen und die Wanderer rasch in die Orientierungslosigkeit treiben. Besonders riskant sind deshalb Wanderungen auf ausgedehnten hochalpinen Gebirgsregionen, in unserer Umgebung also Schneeberg, Rax, Veitschalpe, Schneealpe und Hochschwab. Auf diesen Hochflächen treiben Nebelschwaden und schlechte Sicht Wanderer rasch vom richtigen Weg ab und führen sie unfreiwillig in gefährliche Regionen des Gebirgsstocks (Felsabbrüche an den Randbereichen der Hochplateaus).
Im hochalpinen Bereich stellen Personen immer exponierte Objekte in der Umgebung dar, aus der Tatsache heraus resultierend, dass es keine Vegetation mehr gibt. Besonders gefährdet ist man deshalb auch auf Gratstücken und insbesondere Berggipfel, ganz besonders wenn sich auch noch ein Gipfelkreuz darauf befindet. Nicht umsonst sind viele der heimischen Gipfelkreuze aus Metall gefertigt, ob der Tatsache, dass Gipfelkreuze aus Holz ziemlich rasch so schwer beschädigt werden, dass sie regelmäßig ausgetauscht werden müssten.
Abgesehen davon, dass man sich knapp vor Aufzug eines Gewitters nicht mehr in der Gipfelregion aufhalten sollte, gilt es demnach in diesem Fall, einen raschen Rückzug in tiefer liegende Gebiete anzutreten. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass ein Sicherheitsabstand von mehreren Metern zwischen den einzelnen Wanderern und Bergsteigern eingehalten wird. Grund hierfür ist, dass bei einem tatsächlichen Blitzeinschlag in eine Person keine weiteren Personen durch Überspringen des Blitzes oder als seine Nebenwirkung, der Schrittspannung, zu Schaden kommen und dem Betroffenen schnell Erste Hilfe leisten können.
Besonders Kühe werden oft Opfer von indirekten Blitzeinschlägen, weil sie durch ihren Herdentrieb in der Gruppe Schutz suchen, was leider oft fatale Folgen für die gesamte Herde hat.
http://kaernten.orf.at/stories/218309
Kann man im Gebirge keine Schutzhütte mehr erreichen (diese werden nicht umsonst so genannt!) bieten wie auch sonst im gewöhnlichen freien Feld Erdsenken und Mulden Schutz vor Blitzschlag. Dabei sollte jede Person für sich eine eigene Mulde suchen und sich dort alleine aufhalten. Außerdem sollte darauf geachtet werden, die Füße knapp aneinander zu halten und sich geduckt in die Mulde zu kauern, ersteres um die Schrittspannung bei einem Einschlag in nächster Nähe trotzdem gering zu halten.
Beim Aufenthalt in Mulden sollte man zu Beginn versuchen abzuschätzen, ob diese tatsächlich Schutz bieten können. Man sollte hier nämlich im Hinterkopf behalten, dass bei Gewitter die Gefahr nicht nur vom Blitz, sondern genauso auch vom starken Niederschlag ausgeht. Ist der Boden, in dem sich die Mulde befindet, bereits vor dem Niederschlagsereingis durch das Gewitter sehr feucht und scheint keine weitere Feuchtigkeit mehr aufnehmen zu können, muss beachtet werden, dass solche Hänge, vor allem wenn sie noch dazu eine erhebliche Neigung aufweisen, Gefahrenstellen für Murenabgänge darstellen.
Relativ sicher ist man auch in Höhlen (jedoch nicht in solchen, duch die das Regenwasser sturzflutartig abfließt!), unter Felsvorsprüngen und am Fuß von Felswänden. Es ist jedoch zu berücksichtigen, dass bei einem Gewitter eine erhöhte Steinschlag und Lawinengefahr besteht, einerseits durch Auswaschen von losem Gestein durch den starken Regen, als auch das Losbrechen von Schneewechten an hohen Gratbereichen durch den Sturm innerhalb der Gewitterwolke.
Drahtseile, nasse Kletterseile, Leitern und Gitter aus Metall und feuchte Felswände sollten nicht berührt werden, da sonst ein Teilblitzstrom über den Körper fließen kann.

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Alpintouren ohne Wettercheck ist wie Rudern ohne Boot!