Wetter Wiener Neustadt
Lokale Beeinflusser
Den meisten Wiener Neustädter/innen wird bekannt sein, dass der Gebirgsstock Wechsel an der steirisch-niederösterreichischen Landesgrenze eine im Volksmund als "Wetterscheide" bezeichnete Erscheinung ist. Dieser Begriff ist klimatologisch darauf zurückzuführen, dass bei diesem Berg besonders bei Föhnwetterlagen die steirische Seite des Wechsels im Südstau liegt (d.h. es regnet vor der Wechsel-Schneeberg-Gruppe aus) und am Steinfeld regnet es kein bisschen, es scheint dann sogar meist die Sonne! Ob bei Gewittern der Wechsel statistisch auch als Wetterscheide zur Steiermark heranzuziehen ist, wird derzeit noch von uns untersucht.

Die Schneeberg-Rax-Gruppe kann das Aufgleiten von Niederschlag in sog. Nordstau begünstigen, wodurch es auch im Raum Wiener Neustadt zu stärker fallendem Niederschlag (Regen sowie Schnee) kommen kann. Jedoch tritt dieser Effekt in ausreichend ausgeprägter Form im Osten Österreichs nur sehr selten auf, bei den meisten Nordwest-Wetterlagen (z.B. Kaltfronten) geht das Steinfeld oft trocken aus, das Hügelland des Wienerwaldes sowie die Voralpen schirmen die Niederschlagswolken vom Steinfeld ab. Niederschlagsgarant für die Region sind hingegen die sog. Genuatiefs, deren Niederschlagsfelder häufig für kräftigen Regen (bzw. im Winter bei entsprechender Kaltluftzufuhr aus dem Norden) und intensive Schneefälle sorgen. Niederschlagssummen von 100 mm / m² und mehr wurden schon registriert!

Einen weiteren wichtigen Faktor spielt die Schneeberg-Rax-Gruppe auch für Gewitter, die aus dem Südosten auf Wiener Neustadt zukommen. So sind in Bergnähe meist die Scherwerte erhöht, sprich der Wind muss um den Berg herum und kann sich nicht stromlinienförmig fortsetzen. Es kommt zu starken Turbulenzen, die horizontal sowie vertikal erfolgen können. Das ist mitunter ein Grund, warum sich die meisten Gewitterzellen, welche aus dieser Region kommen (und nicht stationär sind), zu Superzellen entwickeln und dann für heftige Überflutungen und Hagelschlag sorgen können. Auch die Hohe Wand, die Rosalia, das Leithagebirge und die Region um den Wiener Wald zeigen ein ähnliches Verhalten bei Schwergewittern.

Ebenfalls ein wichtiger Faktor ist das Wiener Becken bzw. das Steinfeld.
Das Steinfeld, einer der Beobachtungsräume von Wetter Wiener Neustadt, bezeichnet die südlichen Gebiete des Wiener Beckens. Geologisch betrachtet handelt es sich um ein Sedimentbecken, welches seinen Ursprung in der letzten Kälteperiode (Eiszeit) hat. Das Gebiet wird, so stark wie kein anderes weiter westlich in Österreich, vom kontinentalen (pannonischen) Klima aus Ungarn her beeinflusst. Dabei treten recht beachtliche Temperaturgegensätze zwischen den Sommer- und den Wintermonaten auf, wobei beide Jahreszeiten extreme Temperaturen hervorbringen können. Erwähnenswert ist, dass dieses Gebiet nur eine geringe Jahresniederschlagssumme aufweist. Durch das abgeschlossene Becken um Wiener Neustadt kann sich besonders in den Wintermonaten, bei starken Inversionslagen sehr leicht zäher Hochnebel bilden, der sich dann mitunter auch mehrere Tage hindurch hält. Erst Wetterfronten können die Kaltluft aus dem Becken ausräumen, was jedoch meist mit einer Wetterverschlechterung (Regen oder Schnee) verbunden ist.

Das Steinfeld heizt sich hingegen aufgrund des steinigen Bodens in den Sommermonaten besonders stark auf. Dadurch kann es bei starken Hochdruckwetterlagen zu erhöhter Waldbrandgefahr kommen. Weiters können diese hohen Temperaturen bei labilen Wetterlagen ein Auslöser für heftige Gewitter sein, so z.B. am 23. Juli 2009 abends. Nötig hierfür ist jedoch ausreichend vorhandene Feuchte im Luftraum über dem Steinfeld. Bei lang anhaltenden Hitzeperioden und meist damit verbundenen trockenen Luftmassen wirkt das aufgeheizte Steinfeld jedoch gegen Gewitterbildung, lediglich in den Voralpen bzw. besonders bei den "großen" Gebirgsstöcken Schneeberg, Rax und Hochwechsel können lokale Wärmegewitter auftreten.
Klimaabweichung in Wiener Neustadt
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